Der Fachbereich Geschichte - altehrwürdig, aber nicht verstaubt!

Seit einigen Jahren erfreut sich das Fach Geschichte an unserer Schule einer stetig wachsenden Beliebtheit. Die Einführung von Geschichtsleistungskursen im Schuljahr 2009/10 trug diesem Umstand erstmals Rechnung und seitdem sind sie aus dem Kursangebot unserer Oberstufe nicht mehr wegzudenken. Sie geben Schülerinnen und Schülern in besonderem Maße die Möglichkeit, ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein zu entwickeln und die geschichtlichen Voraussetzungen und Entwicklungsperspektiven der gegenwärtigen Gesellschaft zu erkennen und auf dieser Grundlage Entscheidungen zu treffen. 
Aber auch in der Mittelstufe hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Mit dem neuen, seit dem Schuljahr 2014/15 gültigen Fachcurriculum ist der Unterricht nicht nur im Sinne der  Kompetenzorientierung didaktisch zeitgemäßer, sondern auch einheitlicher geworden. In einem an den Zeitepochen orientierten Durchgang von der Antike bis zur Neuzeit werden dabei die folgenden zentralen Kompetenzen des Faches ausgebildet:

  • Wahrnehmungskompetenz für Kontinuität und Veränderung in der Zeit
    Die „Wahrnehmungskompetenz beschreibt die Fähigkeit wahrzunehmen, dass die eigene Umwelt historisch geworden ist, und selbst Fragen an die Geschichte zu stellen.
  • Analysekompetenz für Kontinuität und Veränderung in der Zeit
    Die Analysekompetenz beschreibt die Fähigkeit, Quellen zu erschließen und Vergangenes anhand von Quellen unterschiedlichster Art zu rekonstruieren.
  • Die Urteilskompetenz für Kontinuität und Veränderung in der Zeit
    Die Urteilskompetenz beschreibt die Fähigkeit, durch stimmige und triftige Argumentation zu einem Sachurteil über historische Ereignisse und Entwicklungen zu gelangen.
  • Orientierungskompetenz für Zeiterfahrung
    Die Orientierungskompetenz beschreibt die Fähigkeit, in der Beschäftigung mit Geschichte einen Sinn für das eigene Weltverständnis zu sehen. Sie beruht auf dem Zusammenhang zwischen Gegenwärtigem und Vergangenem und verhilft dazu, den Einfluss historischer Zusammenhänge auf die Gegenwart, auf aktuelle Ereignisse und Entwicklungen zu erklären.

Ergänzt wird unser Fachangebot durch eine Geschichts-AG in den Jahrgangsstufen 8/9, regelmäßige Lesungen und Diskussionsveranstaltungen sowie durch zwei fest im Terminplan verankerte Exkursionen zu den Unterrichtsschwerpunkten Mittelalter in der Jahrgangstufe 7 und Nationalsozialismus in der Jahrgangsstufe Q2.  In den vergangenen Schuljahren erkundeten unsere 7. Klassen dabei bspw. die mittelalterliche Geschichte Speyers, Frankfurts und Königsteins. In der Oberstufe besuchten wir das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und das ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar.

Unsere Fachschaft besteht aktuell (Schuljahr 2015/16) aus folgenden Kolleginnen und Kollegen: Hr. Blum, Hr. Brinkmann, Hr. Degenhardt, Hr. Enders, Hr. Halberstadt, Fr. Hermann, Fr. Jakobi, Fr. Kanert, Fr. Medo, Hr. Meinikmann, Hr. Müllner, Fr. Nowka, Fr. Okeke, Fr. Spahn und Hr. Veltjens. Verstärkt wird sie außerdem durch die beiden Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst Hr. Latif und Hr. Schlüter.

Geschichtsexkursion nach Verdun

Eine 1-Tages-Reise nach Verdun, klang im ersten Moment nicht gerade nach dem, was man anstatt eines normalen Schultages hätte machen wollen. Das Einzige woran gedachte wurde war, dass man ungefähr 10 Stunden im Bus sein würde und man darauf echt keine Lust hatte. Warum es schlussendlich doch ein sehr eindrückliches Erlebnis und eine besondere Erfahrung war, wird in diesem Bericht versucht wiederzugeben.

Die Exkursion, welche mithilfe von Förderungen des Hochtaunuskreises und des „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ (Stiftung Gedenken und Frieden) mitfinanziert wurde, startete um 7 Uhr morgens in Königstein. Man fuhr dann, die meisten etwas genervt und schlafend, 5 Stunden nach Verdun wo unser Führer, welcher übrigens ein Veteran war, dessen Großvater im Ersten Weltkrieg, bei Verdun, mitgekämpft hatte und dort auch gefallen war, in den Bus stieg  und erzählte, warum Verdun von den Franzosen zu einem so wichtigen militärischem Stützpunkt gemacht wurde, darauf soll in diesem Bericht aber nicht eingegangen werden, weil es doch sehr theoretisch war und man sich keinen richtigen Bezug dazu vorstellen konnten.

Nach dieser Einleitung des Führers ging es nach Fort Douaumont, dem größten Fort um Verdun, welches die Franzosen und die Deutschen in der Schlacht um Verdun immer abwechselnd besetzt hatten. Bereits auf dem Weg konnte man die früheren Einschlaglöcher von damaligen Granaten und Artillerie-Beschüssen und die Schützengräben, welche man zum Schutz vor besagten Granaten und Beschüssen gegraben hatte, erkennen. Teile der Landschaft sahen wirklich wie die Mondoberfläche aus.

Überraschend war, dass die Vegetation sich das ehemalige Schlachtfeld ziemlich gut zurück erobert hatte. Unserer Führer erklärte uns außerdem, das alle Bäume, die es auf dem ehemaligen Schlachtfeld inzwischen wieder gibt, künstlich angelegt wurden und immer noch werden. Diese deformierte Landschaft ließ einen schon erahnen, wie es zu Kriegszeiten ausgesehen haben muss und was für eine Zerstörungskraft im Ersten Weltkrieg freigesetzt worden war.
Beim Fort angekommen sah man, dass von dem ehemalig riesigem Fort, nur noch eine Mauer, ein Geschützturm und einige unterirdische Tunnel existierten. Dieses zerstörte Fort war ein sehr eindrückliches Bild und als unser Führer noch von den unmenschlichen Umständen, unter denen die Soldaten zu kämpfen hatten, erzählte, wurde einem immer mehr die Brutalität des Krieges bewusst.

Nach dem Fort ging es zum Beinhaus von Verdun, in welchem die Knochen von schätzungsweise 130000 toten nicht identifizierbaren Soldaten in Kammern zusammengetragen worden waren. Vor diesem Beinhaus lag außerdem ein riesiger Friedhof, mit 15000 Kreuzen und 16000 bestatteten Leichen. Das Gebäude an sich hat eine sehr interessante Geschichte und man bekam durch die schiere Masse an Kreuzen und Knochen eine sehr entfernte Ahnung davon, wie viele Menschen, nur in und um Verdun, gefallen waren (schätzungsweise 400000-500000 Menschen). Dieses Bild von dem Beinhaus und dem Friedhof war unglaublich beeindruckend und vielsagend.

Als letztes ging es noch kurz zu einer absteigenden Waldfläche, wo einmal ein Dorf gestanden hatte. Dieses Dorf war, so wie 8 weiter Dörfer, komplett und unwiederbringlich während der Schlacht um Verdun zerstört worden. Es ist unvorstellbar, wie ein gesamtes Dorf einfach von der Erdoberfläche verschwinden kann. Heutzutage ist der Ort ein Denkmal an das Dorf, was einst dort gestanden hatte.
Dieser Besuch von Verdun war unbeschreiblich und man kann nicht einmal anfangen sich vorzustellen, wie es damals gewesen sein muss. Dieser Besuch war die 10 Stunden Busfahrt auf jeden Fall wert und es ist ein Ort, den jeder mal besucht haben sollte, weil man nirgendwo die schrecklichen Folgen von Krieg so eindrücklich und unvergesslich, alleine schon durch die Landschaft, die Ruinen und die Friedhöfe, geschildert bekommt, wie an diesem Ort.

Geschrieben von Vico Mesterharm 

 

Bodyguards auf Burg Königstein oder: Was kaum ein Königsteiner wusste…

„Jetzt erzähl ich euch ein Geheimnis, das weiß kaum ein Königsteiner…“ So oder ähnlich begann unser Stadtführer Herr Halberstadt am Donnerstag, 12.06.2014, als er uns von der Klasse 6a und unsere Klassenlehrerin Frau Pfeifer in die Hintergründe der Königsteiner Geschichte einweihte.
Dass die Straße nach Frankfurt und die Burg als Stützpunkt der ersten Bodyguards zu ihrer Bewachung die Gründe sind, warum heute Königstein existiert, war nur der Beginn einer Reihe von witzigen und überraschenden Erkenntnissen aus der Königsteiner Stadthistorie. Im Laufe der höchst unterhaltsamen Führung vom Kurbad zur Burg erfuhren wir so manches von Klöstern, Schulen und auch Gefängnissen in Königstein. Mit einer mittelalterlichen musikalischen Darbietung auf der Burg begeisterten Herr Halberstadt und sein Sohn Marc-Philipp uns dann vollends. Fangen und Gruseln in den Gängen und Kellern der Festungsanlage machten uns viel Spaß, bevor wir wieder zum TGK eilen mussten, wo noch eine Stunde Latein bzw. Französisch auf uns wartete.
Vielen Dank, Herr Halberstadt und Marc-Philipp! So mag man Geschichte super gerne!!

Steinzeitprojekt 2017

Am 3. und 4. Mai war es soweit: Das Mobile Landschaftsmuseum gastierte erneut am TGK. Dr. Holger Rittweger wusste vieles zum Thema Steinzeit zu berichten. Die Klassen 6a, c und d konnten mit seiner Hilfe an zwei Porjekttagen auf Zeitreise gehen.

 

Mit Jeans in die Steinzeit – ein Projekt am TGK

Eine Gestalt in Fell und mit bemaltem Gesicht in der Cafeteria – Funken und Rauch im Treppenhaus – so etwas erlebt man nur während eines fächerübergreifenden Projekts am TGK.
Los ging es am 2.5.2017, als die Klasse 6a die Steinzeittage mit einem Kreativtag einläuteten. Inspiriert von ihrer Deutschlektüre „Mit Jeans in die Steinzeit“ wollten die Kinder mit Naturfarben auf den Spuren der Höhlenmaler wandeln. Farbige Erde, Beeren, Kalk, Ziegel wurden mit Öl und Joghurt gemischt. Frau Pfeifer und Herr Brinkmann standen beim Malen auf vorgrundierte Raufasertapete mit Rat und Tat und Putzlappen zur Seite. Die selbst angerührten Farben wurden mit den Fingern oder mit Stöckchen aufgetragen. Nun sind – wie in den Höhlen des Jugendromans von Wolfgang Kuhn – Mammuts, Hirsche oder Bären an den Wänden des Klassenzimmers zu bewundern.
Am 3. und 4.5. besuchte Dr. Holger Rittweger mit seinem MoLaMu (MobilenLandschaftsMuseum) die Schule. Insgesamt drei Klassen konnten mit ihm in die Steinzeit reisen. Mit von der Partie waren die Lehrer Herr Brinkmann, Frau Herrmann, Frau Medo-Capl und Frau Pfeifer. „Schon als wir hereinkamen, waren wir von der Gestaltung des Raums begeistert – Mammuts und Bären meterhoch an den Wänden“, berichteten die Schüler. Zuerst informierte Dr. Rittweger die Klassen über Grundlagen zur Steinzeit. Dabei gefiel vielen besonders der praktische Teil: Steinzeitkleidung aus Leder und Fellen anziehen und mit Rötel und Ocker schminken kann man sich sonst nicht. Spätestens als die ausstaffierten Kinder und Lehrer in der Pause durch die Schule strömten, wusste auch jeder, dass an diesem Tag etwas Besonderes geboten war.
(Frau Pfeifer mit der Klasse 6a)

Nach einer kurzen Pause erläuterte Dr. Rittweger, dass man mit zwei Feuersteinen kein Feuer machen kann, denn wenn man zwei Feuersteine aneinanderschlägt, entstehen zwar Funken, aber diese sind hellorange, schwach und nur kurz zu sehen und das Wichtigste: sie sind sogenannte „Kaltfunken“, mit denen man kein Feuer machen kann. Mit einem Feuerstein und Katzengold hingegen sind die Funken dunkelorange, warm, hell und bleiben lange erhalten, sodass sie herunterfallen können. Nach dieser ausführlichen Erklärung haben wir unser selbst mitgebrachtes Holz genommen und sind nach draußen gegangen. Dort haben wir das Holz so aufgestellt, dass es wie ein kleines Zelt aussah. Im Anschluss wurden das Katzengold und der Feuerstein aneinandergeschlagen, sodass nach ein paar Schlägen Funken in unser vorher selbstgebautes „Vogelnest“ aus Reisig gefallen sind und etwas Glut verursacht haben. Zur Vervollständigung des Feuers haben wir alle noch einmal auf die noch schwache Glut gepustet. Nach kurzer Zeit hatten wir dann ein richtiges Feuer!
Nachdem wir unseren Ausflug nach draußen zum Feuer beendet hatten, ging es zum Bogenschießen, aber vorher haben wir noch erklärt bekommen, wie ein Speer aufgebaut ist. Seine Spitze besteht meist aus Feuerstein, der Griff aus Holz. Die zwei Haken am Ende bestehen aus Federn. Alles in allem ist er mit Schnüren aus Fasern (z.B. aus Brennnesseln) zusammengebunden und mit Birkenpech zusammengeklebt. Zur Erklärung: Birkenpech kann man sich als Harz in Birken vorstellen. Die Steinzeitmenschen benutzten es als Kleber.
Alles in allem war es ein toller Tag für uns alle und wir haben viel Neues und Interessantes über die Altsteinzeit gelernt!
(Eileen Cartellieri, Lena Schwarz, Max Thonack und Tim Schuster aus der 6c)