Direkt vor den Sommerferien in die Schweiz zu fahren und bei einer Außentemperatur von 30 Grad an naturwissenschaftlichen Workshops, Führungen und Vorträgen teils auf Englisch teilzunehmen, hört sich zunächst sehr anstrengend an.
Tatsächlich war die MINT- Fahrt 2019 ein Höhepunkt am Ende des Schuljahres, auf der wir die Gelegenheit bekamen, das Physik-Grundlagenforschungszentrum CERN und die Pharma-Firma MERZ einmal näher kennenzulernen, den Mitarbeitern Fragen zu stellen, selbst zu experimentieren und Neues dazu zu lernen.
So kam es, dass wir, also 28 interessierte Schüler*innen mit Frau Behrends und Herrn Epple, am Montagmorgen, den 24.06.19 nach Nyon in der Schweiz fuhren.
Angekommen im Hostel bezogen wir zunächst unsere Zimmer, bevor es gemeinsam zur Stadterkundung und zum Genfer See losging.
Die spätere Freizeit nach dem Abendessen nutzten manche, um noch einmal zum See zu laufen, während andere Fußball oder Karten spielten.
Am Dienstag machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zu MERZ.
MERZ ist ein internationales Pharma- und Ästhetikunternehmen mit einem Werk in Lausanne, in der Nähe von Nyon. Hier begrüßte uns Herr Dr. Pfeil, der – ebenfalls am Montag – extra vom Werk in Dessau nach Nyon geflogen war.
In kleinere Gruppen aufgeteilt lernten einige das Labor kennen, während andere sich einen Vortrag von Herrn Dr. Pfeil anhörten.
In diesem stellte er seinen eigenen Tätigkeitsbereich bei MERZ und das Unternehmen vor. Zudem erklärte er uns den Unterschied zwischen medizinischen Produkten, die zur Anwendung dienen und Arzneimitteln, die wirken, sowie die Herstellung von Hyaluronsäure, Botulinumtoxin, das besser als Botox bekannt ist, sowie die von weiteren Mitteln.
Neben der Veranschaulichung der Molekülketten auf Teilchenbasis und den vielen einzelnen Produktionsschritten waren auch die Bilder der Reinheitskammern interessant und die der riesigen Kessel, welche auf Grund des stark ätzenden Inhaltes luftdicht sind und nur mit speziellen Handschuhen innerhalb dieser hantiert werden kann.
Im Anschluss erklärte Dr. Pfeil uns noch, wie sich Produkte z.B. in ihrer Viskosität unterscheiden in Abhängigkeit davon, wo und wie diese am Körper angewendet werden.
Danach konnten wir Rückfragen und weitere Fragen stellen und tauschten im Anschluss mit der Laborgruppe.
In Ganzkörper-Schutzkleidung gehüllt betraten wir nun das erste Labor, in dem wir die einzelnen Schritte der Herstellung von Hyaluronsäure selbst experimentell durchführten.
Am Ende entstand eine sich seltsam anfühlende Gel-Masse, die theoretisch so weiterverarbeitet werden kann, dass sie in eine Hyaluronsäure-Spritze gefüllt werden könnte. Mit „echten“ Spritzen, welche wir in Schalen leerten, merkten wir noch einmal am nötigen Kraftaufwand zur Leerung, wie unterschiedlich die Viskosität sein kann.
Im zweiten Labor stand die Qualitätsanalyse im Mittelpunkt. Auch diese durften wir experimentell nachvollziehen.
Das Erstellen der Probe mit Hilfe von professionellen Laborgeräten stellte zunächst eine Herausforderung dar, da man sich auf einer Fremdsprache verständigen musste, um bisher überwiegend unbekannte Laborgeräte richtig zu bedienen und das Erstellen gelingen zu lassen. Dennoch war es sehr spannend und eindrucksvoll zu sehen, wie eine Probe zur Qualitätskontrolle genommen wird.
Die Ergebnisse der Probe haben wir leider nicht mehr erfahren, da die digitale Auswertung zu viel Zeit benötigt hätte.
Nach einem von MERZ zur Verfügung gestellten Mittagessen fuhren wir mit vielen neuen Einblicken und Perspektiven zum Hostel zurück. Hier hatten wir Zeit, um uns für den Mittwoch bereits mit einem Mittagessen einzudecken, bevor es am Dienstag Nachmittag weiterging; ausnahmsweise allerdings mit einem nicht- naturwissenschaftlichen Hintergedanken:
Unser Ziel war die UEFA, bei welcher wir im Rahmen einer Führung u. a. durch den Raum der Spielauslosung, den Verhandlungssaal, an der VIP-Villa und durch den TV-Kontrollraum für alle UEFA-Wettbewerbsspiele vorbeigeführt wurden.
Am Ende erhielten wir noch eine kleine Souvenirtüte und fuhren wieder zurück zum Hostel.
Dort aßen wir zu Abend und hatten wie am Tag zuvor wieder bis 22 Uhr Freizeit, die vor allem für einen Spaziergang am Genfer See und zum „Werwolf“- Spielen genutzt wurde.
Am Mittwoch fuhren wir nach Genf zum CERN, dem Europäischen Institut für Kernforschung, zu welchem der 27 km lange Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) ebenfalls gehört.
Vormittags bauten wir in einem Workshop selbstständig eine Nebelkammer; nachmittags besuchten wir einen Vortrag und erhielten eine offizielle Führung.
Durch die Nebelkammer konnten wir die Bewegung ionisierter Teilchen sichtbar machen. Zum Bauen wurden Trockeneis, Isopropanol (eine desinfizierende alkoholische Flüssigkeit) und ein Kasten mit einer Metallplatte verwendet.
Nach einer Sicherheitseinweisung, der Besprechung der Versuchsdurchführung und einer Aufgabenverteilung innerhalb der Vierer-Gruppen, bauten wir unsere Nebelkammer.
Zu beobachten waren weiße Stricke und Wellen, die sichtbar wurden und wieder verblassten: Genau das ist die Sichtbarkeit der ionisierten Atome.
Im Dunkeln mit einer Lampe angeleuchtet, sah dies so magisch aus, dass die Beobachtung uns erst staunen lies und weiter in ihren Bann zog, sodass es sehr schade war, als das Licht wieder angeschaltet wurde und die Beobachtungszeit vorbei war.
Anschließend werteten wir den Versuch aus, wobei wir viele neue Fachbegriffe im Bereich der Materie kennenlernten. Gewissermaßen war es ein Exkurs in die Atomphysik.
Nach dem Aufräumen der Materialien und Chemikalien gingen wir raus und nutzen die Mittagspause -neben dem Mittagessen-, um uns die interaktive Ausstellung rund um den Teilchenbeschleuniger LHC im „microcosm“ anzuschauen.
Hierbei konnte man neben anderen interessanten Daten den Weg eines Protons im LHC in einem virtuellen Spiel oder auf einem Rundgang nachvollziehen.
Am Nachmittag ging die Erkundung des CERN im Rahmen eines Films mit anschließendem Vortrag weiter.
In diesem Vortrag lernten wir den Aufbau der einzelnen Teilchenbeschleuniger und der Detektoren, speziell auf den LHC bezogen, näher kennen.
Nachdem wir nun eine Vorstellung von der Funktionsweise des LHC hatten, fuhren wir über die Grenze nach Frankreich zum CMS (Compact Muon Solenoid), einem der sieben Teilchendetektoren innerhalb des LHC.
Hier ermöglichen riesige Magnetfelder es, die Ladung im Verhältnis zur Masse von Materie wie Elektronen, Neutronen und Myonen zu messen. Diese Datenmassen werden von komplexen Computersystemen gefiltert und auf auffällige Muster untersucht.
Diese Funktionsweise wurde uns neben weiteren interessanten Erklärungen zum Aufbau und der Arbeitsweise mit dem LHC und dem CMS erklärt. Höhepunkt des visits beim CMS war, dass wir mit dem Aufzug 100 m „unter Tage“ gebracht wurden – genau dorthin, wo der 27 km lange Teilchenbeschleunigerring die Quantenobjekte auf mehr als 99,9999% der Lichtgeschwindigkeit beschleunigen kann!

 

Nach der Führung fuhren wir wieder nach Nyon, wo wir nach dem Abendessen gemeinsam am Genfer See den letzten Abend ausklingen ließen.
Am Donnerstagmorgen ging es nach Frühstück und kontrollierten Zimmern mit gepackten Koffern im Bus wieder zurück nach Königstein, wo wir gegen 17.30 Uhr wieder ankamen.

Zurückblickend war es eine sehr schöne und aufschlussreiche Zeit in der Schweiz, die uns verschiedene Möglichkeiten, im naturwissenschaftlichen Bereich zu arbeiten gezeigt und näher gebracht hat, die Gelegenheit gab, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen und verschiedene Optionen für sich persönlich zu überlegen.

geschrieben von LNR (Teilnehmerin an der MINT-Fahrt 2019)

 

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