„Sozial – tolerant – respektvoll“ – so lautet das aktuelle Schuljahres-Motto des Taunusgymnasium. Das Motto bezieht sich dabei auch auf Toleranz gegenüber anderen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen. Dies ist einer der Grundwerte unserer Verfassung. Dem jüdischen Glauben und der jüdischen Kultur gilt in Anbetracht der deutschen Geschichte dabei ein besonderes Augenmerk. Gerade nach den Anschlägen am 9. Oktober 2019 in Halle betrachtet es das Taunusgymnasium als eine wichtige Aufgabe, unsere Schülerinnen und Schüler mit gegenwärtigen und vergangenen Formen des jüdischen Lebens in Hessen vertraut zu machen, um antisemitischen Vorurteilen vorzubauen.

Das Enrichment-Programms für leistungsstarke, besonders begabte und motivierte Schülerinnen und Schüler lehnte sich deshalb im ersten Schulhalbjahr 2019/2020 an den Wettbewerb „Jüdisches Leben in Hessen“ der Landeszentrale für politische Bildung an. Rund 20 Schülerinnen und Schüler der Klassen 6-9 beschäftigen sich unter der Leitung von Herrn Meinikmann an mehreren Projekttagen mit verschiedenen Facetten des historischen sowie des gegenwärtigen Judentums.

Um die jüdische Geschichte direkt an außerschulischen Lernorten erfahren zu können, besuchten die Schülerinnen und Schüler im Dezember das Museum Judengasse in Frankfurt. Bei einer Führung erfuhren sie in den begehbaren Ruinen der Häuser der Judengasse, wie sich das bedeutende jüdische Ghetto im Laufe seiner rund 800jährigen Geschichte entwickelt hat. Besonders spannend waren die anhand von Quellen rekonstruierten Einblicke in das mittelalterliche Alltagsleben der Hausbewohner.

Auf dem Weg zum Museum nutzten die Schüler die Möglichkeiten modernster Technik, um mittels der App „ Unsichtbare Orte“ des Jüdischen Museums bedeutende Orte der jüdischen Gemeinschaft nach 1945 in Frankfurt wiederentstehen zu lassen, etwa die koschere Suppenküche in der Nähe des Zoos oder das Haus in der Weiherstraße 6, in dem der erste jüdische Gottesdienst nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert wurde.

Spuren jüdischen Lebens gibt es jedoch auch hier in Königstein. Bei einer lehrreichen Führung am 22. Januar 2020 erzählte die ehemalige Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann so manche vergessene Lebensgeschichte, die sich hinter den Namen auf den Grabsteinen des jüdischen Friedhofs in Falkenstein verbirgt.

Ein Schicksal, das die verschiedenen Orte miteinander verbindet, ist das der gebürtigen Frankfurterin Anne Frank: Anne Franks Vorfahren lebten in der Judengasse, Verwandte Anne Franks besaßen jedoch auch ein Sommerhaus in Königstein. An einem Projekttag am 21. Januar 2020 vertieften sich die Schülerinnen und Schüler in das Leben Anne Franks. Der Film „Meine Tochter Anne Frank“ vermittelte einen emotionalen Einblick in den Alltag der Familie Frank in ihrem Versteck in im Hinterhaus ihrer Amsterdamer Firma während des Zweiten Weltkrieges. Den dabei entstanden Fragen konnten die Schülerinnen und Schüler anschließend mit digitaler Technik nachgehen. Mit Hilfe der der App „WDR AR 1933-1945“ konnten sie virtuelle Zeitzeuginnen, Freundinnen Anne Franks, in den Klassenraum projizieren oder auf der Web-Seite des Anne-Frank-Hauses eine 360-Grad-Begehung des Hinterhaus machen.

Durch die Projektreihe konnten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler erfahren, dass jüdisches Leben ein fester und wichtiger Bestandteil der hessischen Geschichte gewesen ist und die jüdische Kultur auch in Zukunft Hessen mitprägen wird.

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